Landrat und Kreiskämmerei zeichnen im Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss ein schwieriges Bild der finanziellen Lage des Hochtaunuskreises.
Die finanzielle Lage des Hochtaunuskreises bleibt angespannt. Das wurde in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschusses am 21. September 2026 erneut deutlich.
Der vom Kreistag beschlossene Doppelhaushalt 2026/2027 wurde von der Aufsichtsbehörde zunächst nur für 2026 und unter Auflagen genehmigt. Der Finanzhaushalt ist nicht ausgeglichen. Der aktuelle Fehlbedarf beträgt 18,13 Millionen Euro. Gleichzeitig muss das bereits beschlossene Haushaltssicherungskonzept fortgeschrieben werden.
Damit steht fest: Der Kreis muss seine Ausgaben stärker in den Blick nehmen und weitere Konsolidierungsmaßnahmen umsetzen.
Die finanzielle Situation betrifft auch die Kommunen
Besonders relevant ist die Entwicklung der Kreisumlage. Die bereits beschlossene Erhöhung bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Städte und Gemeinden im Hochtaunuskreis.
Auf Nachfrage konnte Landrat Ulrich Krebs nicht ausschließen, dass die Kreisumlage 2027 erneut erhöht werden könnte.
Damit stellt sich die Frage, wie die finanzielle Handlungsfähigkeit des Kreises gesichert werden kann, ohne die Kommunen immer weiter zu belasten. Denn auch Städte und Gemeinden stehen selbst vor steigenden Kosten und angespannten Haushalten. Dazu kommt: wenn die finanziellen Spielräume der Kommunen durch steigende Umlagen immer weiter eingeschränkt werden, muss das fehlende Geld am Ende irgendwo wieder erwirtschaftet werden – häufig durch höhere Gebühren, Abgaben oder andere Belastungen für die Bürger vor Ort.
Aus unserer Sicht muss deshalb genau geprüft werden, welche Ausgaben notwendig sind, welche Projekte Priorität haben und wo tatsächlich Einsparpotenziale bestehen.
Auch bei den Personalkosten wird bereits gegengesteuert
Der Kreis hat nach Angaben des Landrats bereits Maßnahmen bei den Personalkosten eingeleitet. Für frei werdende Stellen gilt derzeit eine sechsmonatige Wiederbesetzungssperre.
Das zeigt, dass die Konsolidierung inzwischen auch die laufende Verwaltung erreicht.
Dabei muss aus unserer Sicht gleichzeitig darauf geachtet werden, dass Einsparungen nicht zu Lasten notwendiger Leistungen oder der Funktionsfähigkeit der Verwaltung gehen.
Unsere Position: Auch politische Ausgaben kritisch prüfen
Wir FREIE WÄHLER haben bereits im vergangenen Jahr die beschlossene Erhöhung der Fraktionsgelder und Aufwandsentschädigungen für die Kreispolitik kritisch gesehen und dies öffentlich kommuniziert.
Dabei handelt es sich für uns nicht um eine Position, die erst angesichts der aktuellen Haushaltslage entstanden ist. Bereits in unserem Wahlprogramm zur vergangenen Kommunalwahl haben wir klar festgehalten:
Gegen die Erhöhung von Aufwandsentschädigungen im Kreistag:
Politisches Engagement ist ein Ehrenamt und sollte nicht durch übermäßige finanzielle Anreize geprägt sein. Wir sprechen uns entschieden gegen eine Erhöhung der Aufwandsentschädigungen für Kreistagsabgeordnete aus. Stattdessen setzen wir uns dafür ein, dass öffentliche Mittel sinnvoll und nachhaltig für die Entwicklung des Landkreises genutzt werden.
Diese Haltung ist für uns auch angesichts der heutigen Haushaltslage weiterhin aktuell.
Wenn gleichzeitig über 18,13 Millionen Euro Fehlbedarf, Einsparungen, eine sechsmonatige Wiederbesetzungssperre und eine mögliche weitere Belastung der Kommunen durch die Kreisumlage gesprochen wird, gehört für uns auch die Frage dazu, welche politischen Ausgaben notwendig sind und wo Einsparpotenziale bestehen.
Unser Grundsatz lautet:
Notwendige Leistungen sichern – Einsparpotenziale konsequent prüfen.
Dabei geht es nicht darum, politische Arbeit grundsätzlich infrage zu stellen. Es geht um einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Gerade wenn Städte und Gemeinden finanziell unter Druck stehen, sollten auch die Ausgaben für die politische Arbeit kritisch betrachtet werden.
Nicht nur schlechte Nachrichten: Positive Geschäftsergebnisse der Sparkassen
Neben der angespannten Haushaltslage gab es in der Sitzung auch positive Nachrichten.
Die Nassauische Sparkasse und die Taunus Sparkasse berichteten über ihre aktuellen Geschäftsergebnisse. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konnten beide Sparkassen positive Geschäftsergebnisse vorweisen.
Als Faktoren wurden unter anderem der Devisenhandel und die Anlagen privater Sparer genannt. Der Hochtaunuskreis ist an beiden Sparkassen beteiligt.
Was jetzt wichtig ist
Die Haushaltslage des Hochtaunuskreises zeigt: Die kommenden Jahre werden finanziell anspruchsvoll.
18,13 Millionen Euro Fehlbedarf, ein Haushalt unter Auflagen, ein fortzuschreibendes Haushaltssicherungskonzept und die zusätzliche Belastung der Kommunen durch die Kreisumlage machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht.
Dabei darf Konsolidierung nicht bedeuten, pauschal überall zu kürzen. Es braucht klare Prioritäten:
Was ist notwendig? Was ist finanzierbar? Was kann verschoben werden? Und worauf kann verzichtet werden?
Diese Fragen müssen aus unserer Sicht für alle Bereiche gelten – auch für politische Ausgaben.
Wir werden die weitere Entwicklung des Kreishaushalts und insbesondere die Auswirkungen auf unsere Städte und Gemeinden aufmerksam begleiten.
Denn am Ende geht es bei Haushaltspolitik nicht nur um Zahlen. Es geht um die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Kommunen und damit um die Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort.













