Nicht jedes Kind braucht die gleiche Unterstützung. Und nicht jedes Kind benötigt dauerhaft eine individuelle Teilhabeassistenz. Manchmal braucht es Hilfe in bestimmten Situationen, manchmal eine engere Begleitung und manchmal einfach jemanden, der frühzeitig erkennt, wo Unterstützung notwendig ist.
Genau hier setzt das neue Modellprojekt des Hochtaunuskreises an: An fünf Grundschulen mit insgesamt elf Klassenzügen werden künftig Klassencoaches eingesetzt, die nicht nur einzelne Kinder, sondern die gesamte Klasse begleiten und die Lehrkräfte unterstützen.
Wir FREIE WÄHLER Hochtaunus verfolgen dieses Projekt bereits seit seinen Anfängen mit großem Interesse und sind von diesem Ansatz begeistert.
Auch im persönlichen Austausch mit Teilhabeassistenten haben wir Einblicke in die Herausforderungen des Schulalltags erhalten. Diese Gespräche haben uns noch einmal verdeutlicht, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Kindern sind und wie wichtig flexible Unterstützungsstrukturen sein können.
Gleichzeitig beobachten wir, dass immer mehr Teilhabeassistenten in den Klassen eingesetzt werden. Das ist zunächst eine erfreuliche Entwicklung, denn sie zeigt, dass Kinder die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
Dennoch müssen wir auch die Auswirkungen auf den gesamten Klassenverband im Blick behalten. Wenn neben der Lehrkraft drei, vier oder sogar noch mehr Erwachsene gleichzeitig im Unterricht anwesend sind, stellt sich die berechtigte Frage, wie sich das langfristig auf die Gruppendynamik, die Selbstständigkeit der Kinder und die Lernatmosphäre auswirkt. Mehr personelle Unterstützung bedeutet schließlich nicht automatisch bessere pädagogische Bedingungen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die wichtige Arbeit der Teilhabeassistenten infrage zu stellen. Vielmehr müssen wir überlegen, wie Unterstützung so organisiert werden kann, dass sie sowohl den individuellen Bedürfnissen einzelner Kinder als auch dem gesamten Klassenverband gerecht wird.
Besonders überzeugt uns deshalb der präventive Gedanke hinter dem Modellprojekt.
Unterstützung sollte möglichst nicht erst dann einsetzen, wenn Schwierigkeiten bereits entstanden sind oder sich verfestigt haben. Sie frühzeitig, flexibel und niedrigschwellig im Schulalltag zu verankern, ist aus unserer Sicht ein wichtiger Baustein, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern gerecht zu werden.
Dabei darf das Modell notwendige individuelle Teilhabeassistenzen nicht pauschal ersetzen. Vielmehr bietet es die Chance, bestehende Unterstützungsstrukturen sinnvoll zu ergänzen und dort, wo es fachlich angemessen ist, stärker gemeinschaftlich auszurichten.
Dazu erklärt Christin Jost, Kreisvorsitzende der FREIE WÄHLER Hochtaunus und Sozialarbeiterin (B.A./i. A.):
„Als Sozialarbeiterin finde ich dieses Modellprojekt absolut vorbildlich. Was allerdings nicht passieren darf, ist, dass wir nach einer erfolgreichen Evaluation wertvolle Zeit verlieren. Wir müssen frühzeitig überlegen, wie wir dieses Modell bei positiven Ergebnissen im gesamten Hochtaunuskreis etablieren und langfristig finanzieren können – damit möglichst alle Kinder davon profitieren.“
Das auf vier Jahre angelegte Modellprojekt bietet nun die Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und zu untersuchen, wie sich dieser Ansatz in der Praxis bewährt.
Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam und mit großem Interesse begleiten. Denn gute Inklusion bedeutet nicht einfach, möglichst viele Erwachsene in einem Klassenraum einzusetzen. Entscheidend ist, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird – und dass alle Kinder davon profitieren können.
Mehr zum Modellprojekt:
https://www.hochtaunuskreis.de/2610-klassencoach






